Geschichte in Bewegung 2026
– auf den Spuren unserer Schulgeschichte
Auch im Jahr 2026 hieß es an der Georg-von-Giesche-Schule wieder „Geschichte in Bewegung“. Bereits zum dritten Mal arbeiteten Schülerinnen und Schüler unserer Schule gemeinsam mit Jugendlichen europäischer Partnerschulen an einem internationalen Geschichtsprojekt. Erneut dabei waren Schülerinnen und Schüler des 1. Experimentellen Gymnasiums Athen. Zum ersten Mal nahm auch das Kolegium Europejskie in Krakau an dem Projekt teil. Zwei internationale Begegnungen bildeten die Höhepunkte des Jahres: eine gemeinsame Projektwoche im Winter in Krakau und der Gegenbesuch der griechischen und polnischen Gruppen im Frühjahr in Berlin.
Auf den Spuren ehemaliger Schüler unserer Schule
Im Mittelpunkt des Projekts stand in diesem Jahr die Geschichte ehemaliger Schüler unserer Schule. Die Projektgruppe, bestehend aus Schülerinnen und Schülern des 9. Jahrgangs, recherchierte die Lebensgeschichten von Jugendlichen, die einst das Werner-von-Siemens-Realgymnasium, der Vorgängerschule der heutigen Georg-von-Giesche-Schule, besucht hatten. Die Schule wurde 1935 von den Nationalsozialisten unter fadenscheinigen Gründen geschlossen. Ziel des Projekts war es, die Geschichten ehemaliger Schüler zu erforschen und sie an unserer Schule wieder sichtbar zu machen.
Im Fokus der Recherchen standen ehemalige Schüler, die während der Zeit des Nationalsozialismus von Ausgrenzung und Verfolgung betroffen waren. Eine wichtige Grundlage für die biografische Spurensuche bildete die Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ im Rathaus Schöneberg. Dort recherchierten die Schülerinnen und Schüler intensiv zu einzelnen Lebensgeschichten und trugen Informationen über die ehemaligen Schüler und ihre Familien zusammen. Auf diese Weise wurde die Geschichte unserer Schule mit den persönlichen Schicksalen der Menschen verbunden, die einst selbst hier zur Schule gegangen waren.
Europäische Zusammenarbeit mit Krakau und Athen
Ein zentraler Bestandteil von „Geschichte in Bewegung“ war auch in diesem Jahr die trilaterale Zusammenarbeit mit dem 1. Experimentellen Gymnasium Athen und dem Kolegium Europejskie in Krakau. Auch die Schülerinnen und Schüler unserer Partnerschulen beschäftigten sich mit der Geschichte ihrer eigenen Schulen und ihres jeweiligen Umfelds.
So entstanden unterschiedliche Perspektiven auf die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig wurde deutlich, wie eng die Geschichte Deutschlands, Polens und Griechenlands insbesondere durch die Erfahrungen von Nationalsozialismus, Besatzung, Verfolgung und Widerstand miteinander verbunden ist.
Die gemeinsame Arbeit fand dabei nicht nur an den drei Schulen statt. Die beiden internationalen Begegnungen ermöglichten es den Jugendlichen, ihre Forschungsergebnisse miteinander zu teilen, gemeinsam historische Orte zu besuchen und sich über ihre unterschiedlichen Perspektiven auszutauschen.
Unsere Reise nach Krakau
Vom 24. bis 29. Januar 2026 machten sich unsere Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Frau Serrier und Herrn Tholen auf den Weg nach Krakau. Dort trafen sie erstmals in diesem Projektdurchlauf persönlich auf die Jugendlichen aus Polen und Griechenland. Neben der gemeinsamen Projektarbeit stand die Auseinandersetzung mit der Geschichte Krakaus und insbesondere mit der jüdischen Geschichte der Stadt, sowie der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz Birkenau im Mittelpunkt.
Bei einer von den polnischen Schülerinnen und Schülern gestalteten Stadtführung lernte die internationale Gruppe wichtige Orte der Krakauer Geschichte kennen. Im ehemaligen jüdischen Viertel Kazimierz besuchten die Jugendlichen eine Synagoge und einen jüdischen Friedhof. Dabei beschäftigten sie sich mit der jahrhundertelangen jüdischen Geschichte der Stadt und lernten verschiedene Formen jüdischer Erinnerungskultur kennen.
Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch des Oskar-Schindler-Museums. Die Ausstellung vermittelte den Schülerinnen und Schülern einen eindrucksvollen Einblick in das Leben in Krakau während der deutschen Besatzung und in die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung.
An unserer Partnerschule, dem Kolegium Europejskie, stellten die Jugendlichen schließlich die Ergebnisse ihrer bisherigen Arbeit vor. Unsere Schülerinnen und Schüler präsentierten die in Berlin recherchierten Biografien ehemaliger Schüler des Werner-von-Siemens-Realgymnasiums und tauschten sich mit den Jugendlichen aus Athen und Krakau über deren Forschungsergebnisse aus. Der Vergleich der unterschiedlichen Schulgeschichten zeigte, wie verschieden die Erfahrungen in den drei Ländern waren und zugleich, wie viele historische Verbindungen zwischen ihnen bestehen.
Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau
Zu den eindrücklichsten Erfahrungen der Reise gehörte der gemeinsame Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Die Schülerinnen und Schüler besichtigten das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager und setzten sich dort unmittelbar mit den Verbrechen des Nationalsozialismus und dem Holocaust auseinander.
Besonders die persönlichen Gegenstände der Ermordeten, die erhaltenen Baracken sowie die Überreste der Vernichtungsanlagen hinterließen einen nachhaltigen Eindruck. Die vorherige Beschäftigung mit den Biografien ehemaliger Schüler unserer Schule erhielt an diesem Ort noch einmal eine andere Dimension. Besonders deutlich wurde, dass hinter historischen Zahlen und Daten einzelne Menschen, ihre Familien und ihre persönlichen Lebensgeschichten stehen.
Neben der intensiven historischen Arbeit blieb während der Reise auch viel Zeit für die Begegnung miteinander. Gemeinsames Essen, Sprachspiele, Schlittschuhlaufen und die Erkundung Krakaus boten zahlreiche Möglichkeiten, sich über Länder- und Sprachgrenzen hinweg kennenzulernen. Im Laufe der gemeinsamen Tage wuchsen die drei Schülergruppen immer stärker zu einer internationalen Gruppe zusammen.
Gegenbesuch in Berlin
Vom 2. bis 7. Mai 2026 wurde die gemeinsame Projektarbeit in Berlin fortgesetzt. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte unserer Partnerschulen aus Athen und Krakau waren nun zu Gast an der Georg-von-Giesche-Schule.
Nach einem ersten gemeinsamen Tag, an dem die Jugendlichen Berlin bei einer Stadtrallye in internationalen Kleingruppen erkundeten, besuchten unsere Gäste am Montag die Georg-von-Giesche-Schule. Neben Unterrichtsbesuchen und einem Treffen mit der Schulleitung stand dabei insbesondere die Geschichte des Bayerischen Viertels im Mittelpunkt. Unsere Schülerinnen und Schüler führten ihre Gäste in Kleingruppen durch die dortige Ausstellung „Orte des Erinnerns“ und beschäftigten sich gemeinsam mit ihnen mit der Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung während des Nationalsozialismus.
Ein besonders wichtiger Programmpunkt war am folgenden Tag der gemeinsame Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg. Bei einer Führung durch das ehemalige Konzentrationslager setzten sich die Jugendlichen aus Deutschland, Polen und Griechenland gemeinsam mit dem nationalsozialistischen Lagersystem und den Lebensbedingungen der Gefangenen auseinander. Damit wurde die bereits in Krakau und Auschwitz begonnene Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen aus einer weiteren Perspektive fortgeführt.
Am Mittwoch kehrte das Projekt schließlich unmittelbar zu den Biografien zurück, mit denen sich unsere Schülerinnen und Schüler zuvor beschäftigt hatten. Gemeinsam besuchte die internationale Gruppe die Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ im Rathaus Schöneberg. Hier konnten die Jugendlichen ihren Gästen den Ort zeigen, an dem ein wichtiger Teil ihrer eigenen Recherchen zu den Lebensgeschichten ehemaliger Schüler des Werner-von-Siemens-Realgymnasiums stattgefunden hatte. Die persönlichen Biografien machten erneut deutlich, wie unmittelbar sich die nationalsozialistische Verfolgung auch im direkten Umfeld unserer heutigen Schule auswirkte.
Den Abschluss der historischen Projektarbeit bildete ein Besuch im Haus der Wannsee-Konferenz. Bei einer gemeinsamen Führung durch die Ausstellung beschäftigten sich die Jugendlichen mit der systematischen Organisation der Verfolgung und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden. Anschließend ließ die Gruppe die gemeinsame Woche bei einem Essen am Wannsee ausklingen.
Den Abschluss der historischen Projektarbeit bildete ein Besuch im Haus der Wannsee-Konferenz. Bei einer gemeinsamen Führung durch die Ausstellung beschäftigten sich die Jugendlichen mit der systematischen Organisation der Verfolgung und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden. Anschließend ließ die Gruppe die gemeinsame Woche bei einem Essen am Wannsee ausklingen.
Neben der historischen Arbeit bot die Begegnungswoche natürlich auch viele Gelegenheiten zum persönlichen Austausch. Bei der Stadtrallye, beim gemeinsamen Essen, beim Bowling und in der Freizeit lernten sich die Jugendlichen aus den drei Ländern noch besser kennen. Gerade diese Verbindung von historischem Lernen und persönlicher Begegnung ist ein wichtiger Bestandteil von „Geschichte in Bewegung“.
Mit dem Besuch in Berlin schloss sich zugleich der inhaltliche Bogen des Projekts: Von der Erforschung einzelner Lebensgeschichten ehemaliger Schüler unserer Schule über die gemeinsamen Besuche historischer Orte in Krakau, Auschwitz, Sachsenhausen und Berlin wurde Geschichte für die Jugendlichen konkret und persönlich erfahrbar.
Aus der Erforschung unserer eigenen Schulgeschichte wurde so ein gemeinsames europäisches Projekt des Erinnerns, Lernens und Begegnens – und Geschichte kam im wahrsten Sinne des Wortes wieder in Bewegung.
Unser besonderer Dank gilt unseren Partnerschulen in Athen und Krakau sowie dem Deutsch-Griechischen Jugendwerk (DGJW) und dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW), deren finanzielle Unterstützung die internationalen Begegnungen und damit die Umsetzung des Projekts ermöglicht hat. Ebenso möchten wir uns herzlich bei der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ im Rathaus Schöneberg für die Unterstützung unserer Recherchen bedanken.







