Geschichte in Bewegung 2024

Unsere Berichterstattung über einen Austausch zwischen Berlin und Athen

Allgemeine Präsentation des Projektes

In diesem neuen Projekt setzen sich zwei Gruppen von jeweils 15 Schüler*innen (insgesamt 30) aus den 9. und 10. Jahrgängen mit verschiedenen Diskriminierungen und Verbrechen der Vergangenheit auseinander, um eine Erinnerungsarbeit zu leisten und ihr Demokratieverständnis zu verstärken. Unsere Schwerpunkte sind die Erinnerungsarbeit zur Judenverfolgung rund um unsere Schule (Schulgeschichte, Bayerisches Viertel) für den 10. Jahrgang, und die Auseinandersetzung mit den Spuren des Kolonialismus in Berlin (Straßennamen, Kolonialausstellung) für den 9. Jahrgang.

Das Projekt basiert auf die Ideen der Schüler und Schülerinnen und wird vor allem interaktiv und ergebnisorientiert gestaltet mit Ausflügen, Museums- und Theaterbesuchen und Workshops durch Kooperationen mit vielen Institutionen:

  • Anne-Frank-Zentrum
  • Museum Werkstatt Otto Weidt
  • Ausstellung Wir waren Nachbarn im Rathaus Schöneberg
  • Ausstellung Zurückgeschaut im Museum Treptow
  • Theaterstück Ab heute heißt Du Sarah im Grips Theater
  • The library of lost books

und einzelnen Personen wie

  • der Herero-Aktivist Israel Kaunatjike
  • die Bundestag Abgeordnete Awet Tesfaiesus
  • die Künstlerin Patricia Vester

Es geht uns einerseits darum, das Zugehörigkeitsgefühl mit der vom ehemaligen jüdischen Leben geprägten Umgebung der Schule zu schaffen. Durch ein wachsendes Bewusstsein für die Herausforderungen einer postkolonialen Gesellschaft wollen wir auch die jungen Menschen dazu ermutigen, sich ihre eigene Familien- und/oder persönliche Geschichte in einem Empowerment-Prozess anzueignen.

Das Gesamtprojekt beinhaltet einen durch ERASMUS + und das DGJW finanzierten Austausch mit einer griechischen Schule aus Athen: dem 1. Experimentellen Gymnasiums Athens.

Die griechischen SchülerInnen arbeiten parallel an ähnlichen Themen. Die SchülerInnen kommen in Gespräch bei zwei Begegnungen im Laufe des Schuljahres im Januar in Athen und im April in Berlin und stellen sich dabei gegenseitig ihre Ergebnisse vor (Peer Education).

Das Projekt soll unsere sehr heterogene Schülerschaft aus dem Regel- und dem Europazweig zusammenbringen und dazu dienen, insbesondere antisemitische, antimuslimische und rassistische Vorurteile und diskriminierenden Haltungen von allen Seiten abzubauen. Wir möchten den Projekt Teilnehmerinnen ermöglichen, ihre interkulturellen Kompetenzen zu entwickeln, sowie das sprachliche, demokratische und europäische Profil unserer Schule zu stärken.

Workshops

Besuch im Anne-Frank-Zentrum

„Am 16. Februar hatten wir einen Workshop im Anne-Frank-Zentrum. Peri hat den Workshop über Erinnerungskultur geleitet. Wir haben uns ausgetauscht, Fragen beantwortet und Denkmäler in diesem Kiez besichtigt, wo früher viele Juden gelebt haben, sich versteckt haben und verfolgt wurden. Dabei haben wir gemerkt, dass es verschiedene Arten von Erinnerungskultur und Denkmäler gibt, wie zum Beispiel Stolpersteine, die Umrisse von einem früheren jüdischen Altenheim oder eine Skulptur. Wir konnten einen Vergleich mit unserer Erfahrung in Griechenland ziehen, wo wir auch verschiedene Erinnerungsorte besichtigt haben. Wir fanden es sehr interessant und es hat uns gefallen, dass es so interaktiv war. Daher können wir diesen Workshop auf jeden Fall weiterempfehlen!“

Tara, Sophie, Emir, Leon (9. Jahrgang, Projekt Geschichte in Bewegung)

Unser Austausch- der Film!

Der Besuch der Griechen in Berlin (19.-24.04.2024)

Spaziergang im Stadtzentrum

Am Samstag, den 20. April, haben wir zusammen mit den griechischen Austauschschülern einen Spaziergang durch das Zentrum von Berlin unternommen. Obwohl das Wetter schlecht war – es regnete und war kalt – ließen wir uns die Stimmung nicht verderben und starteten unsere Tour am Brandenburger Tor.

Das Brandenburger Tor beeindruckte die griechischen Schüler sehr. Wir machten einige Fotos und erzählten ihnen etwas über die Geschichte des Tores und seine Bedeutung für die Stadt.

Von dort aus gingen wir weiter zum Reichstagsgebäude: wir erklärten unseren Gästen die politische Bedeutung des Gebäudes und sprachen über die Geschichte des Deutschen Bundestages.

Unser nächster Halt war das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Wir hielten einen Moment inne, um den Opfern zu gedenken und sprachen über die Verfolgung und Diskriminierung, die diese Gemeinschaften erlitten haben. Trotz des Regens war dieser Moment sehr bewegend und brachte uns alle zum Nachdenken.

Weiter ging es zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Wir gingen zwischen den Betonstelen hindurch und sprachen über die Bedeutung des Denkmals und die Geschichte des Holocausts. Die griechischen Schüler waren sichtlich bewegt und zeigten großes Interesse an der Thematik.

Zum Abschluss unserer Tour besuchten wir den Potsdamer Platz. Insgesamt war der Spaziergang trotz des schlechten Wetters ein voller Erfolg. Wir konnten unseren Austauschschülern einige der wichtigsten historischen Orte Berlins zeigen und ihnen die bewegte Geschichte unserer Stadt näherbringen. Es war ein lehrreicher und unvergesslicher Tag für uns alle.

Nachmittage im Familienkreis

Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen

Am Sonntag, den 21. April, haben wir gemeinsam mit den griechischen Schülerinnen und Schülern das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen besichtigt. Die Zehntklässler, die bereits einmal dort gewesen waren, haben kleine Gruppen der Griechen herumgeführt. Alle anderen wurden von einer sehr netten Guide auf Englisch durch das Lager geführt. Ich fand es sehr interessant, weil ich vieles nicht wusste, aber der Ort war sehr bedrückend und die Geschichten dazu schrecklich. Im Endeffekt fand ich den Besuch sehr lehrreich, auch weil wir ihn mit dem ehemaligen Konzentrationslager in Athen vergleichen konnten, von dem nicht mehr so viel von der Geschichte erhalten war. Deshalb fand ich es sehr gut und wichtig, dass wir diesen Ausflug gemacht haben.

Von Tara (9e)

Wir sind mit der Regionalbahn nach Oranienburg gefahren. Die Stadt war voll mit Wahlplakaten, die eher rechtsorientiert waren, wie zum Beispiel von der AfD. Ein Schüler fand die Plakate gar nicht schön und fing an, diese schreiend abzureißen und kaputt zu treten. Wir kamen im KZ an und haben uns die Baracken, die Felder, die Schießplätze und die Gaskammern angeschaut. Was mich besonders schockierte, waren die verschiedenen Schießplätze, wo die Gefangenen aufgehängt und umgedreht angeschossen wurden. Mich faszinierten auch die Steine mit den Namen, weil sie alle gleich aussahen und die Namen eher nicht deutsch waren.

Von Leon (9a)